Eckehart SchumacherGebler »Typothek I – Klassische Antiqua-Schriften in Originalschnitten«

Typothek

Aus dem Vorwort: »Die Grossenhainer Straße 11a in Dresden, in der die Offizin Haag-Drugulin ihr Domizil hat, ist ein Schatzhaus der Schriften. In den Setzregalen, die sich in langen ›Gassen‹ aneinander­reihen, liegen die phantastisch­sten Satzschriften der zu Ende gegangenen Bleisatzära. Es sind Alphabete von einzig­artiger Schönheit, Schriftschöpfungen des 20. Jahrhunderts neben Nachschnitten historischer Vorbilder. Sie werden ergänzt durch Original-Schnitte aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, die ohne jede Veränderung ihrer ursprünglichen Form über die Jahrhunderte in den Druckbetrieben verwendet wurden.

Diesen Schriftenfundus, zumindest in einer Auswahl, einem größeren Kreis vorzustellen, ist der Wunsch der vorliegenden Typothek. Es ist eine Typenkartei, die insgesamt 56 Schnitte enthält, jeweils mit vollständigem Figurenverzeichnis, einschließlich Ligaturen, Ziffern und Interpunktionen. Der Schriftgrad – in der Regel 24 Punkt – läßt die Detailformen der Zeichen gut erkennen. Da jeder Schnitt auf einer eigenen Karte untergebracht ist, können die Alphabete in be­liebiger Kombination zum Vergleich nebeneinander gelegt werden. Genannt werden: die Entwerfer; die Schriftgießerei, die sie herausge­bracht hat; weiter das Erscheinungsdatum und die Klassifikations­gruppe, der sie zuzuordnen ist.

Schriften haben aber auch ihre Geschichten, gingen verloren, tauchten wieder auf – und manchmal liegt auch der Name des Stempelschneiders in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Über all diese Hintergründe berichten kurzgefaßte Essays, die sich vielfach wie Kriminalromane lesen.

Das bedeutsamste aber ist – und das macht diese Typothek so wert­voll – daß alle diese Alphabete direkt von den Bleilettern gedruckt wurden, jeder Druck stellt also ein ›Original‹ dar. Die heute in modernen Systemen verwendeten Schriften sind vielfach ›digitale Abkömmlinge‹ ihrer Vorfahren. Bei der Digitalisierung fordert die Technik aber ihren Tribut – Änderungen, Manipula­tionen sind nicht zu umgehen. Mit der Typothek ist es möglich, Vergleiche anzustellen – die Ergebnisse sind oftmals verblüffend.

Die Gestalt der Druckschriften der verschiedenen Epochen – Paral­lelen gibt es in der Architektur – war immer ein Spiegel des jewei­ligen Stil- und Formempfindens. Die wechselnden Auffassungen und Richtungen ermöglichen den nachfolgenden Generationen die zeit­liche, auch räumliche, Zuordnung.

Was die klassischen Bleisatzschriften der früheren Schriftgießereien, der renommierten vor allem, in besonderer Weise hervorhebt, ist die Genauigkeit und die Sorgfalt, mit denen sie gefertigt wurden. Manche entstanden anhand von gezeichneten Vorlagen eines Schriftküntlers, andere wurden als ›Hausschnitt‹ von gutausge­bildeten Mitarbeitern in den Schriftenateliers der Gießereien geschaffen. Das waren handwerklich außerordentlich geschickte Leute, die zwar namentlich nie erwähnt wurden, die aber mit ihrem Können, vor allem ihrer großen Erfahrung, viele Standardschriften hervorbrachten, denen die Unternehmen vielfach ihren geschäft­lichen Erfolg verdankten. Es war in der Regel ein langsamer Prozeß, bis eine Schrift soweit war, daß sie für den Verkauf gegossen werden konnte. Alle Buchstaben sollten sich einem einheitlichen Gesamtbild unterordnen. Das erforderte unter Umständen viele Korrekturen an den einzelnen Zeichen. Probeabsetzungen mußten auf kritische Buchstabenverbindungen überprüft werden, wieder neue Korrekturen. Das alles vollzog sich in einer Atmosphäre der Ruhe, ohne jede Hektik. Höchste Priorität hatte das qualitativ einwandfreie Ergebnis, und in diesem Punkt war man kein Freund von Kompromissen. Dieser ›Prozeß der Langsamkeit‹ ist den Blei­satzschriften in wohltuender Weise anzusehen.«

10,5 × 21 cm – 59 Blatt – Karton – im Schuber.
ISBN 9783-920856-34-6

Als Muster haben wir zwei Blätter, jeweils mit Vorder- und Rück­seite, als PDF online gestellt, und zwar für die Schrift »Centaur« und deren Kursive »Arrighi«.

Karteikarte »Centaur«
Karteikarte »Arrighi«

Vorgestellte Schriften:

  1. Centaur
  2. Arrighi (Centaur-Kursiv)
  3. Bembo
  4. Bembo-Kursiv
  5. Fairbank Bembo
  6. Caslon
  7. Caslon-Kursiv
  8. Dante
  9. Dante-Kursiv
  10. Diotima
  11. Diotima-Kursiv
  12. Garamond
  13. Garamond-Kursiv
  14. Genzsch-Antiqua
  15. Genzsch-Antiqua halbfett
  16. Holländische Antiqua (Janson)
  17. Holländische Kursiv
    (Janson-Kursiv)
  18. Joanna
  19. Joanna-Kursiv
  20. Marathon
  21. Orpheus
  22. Euphorion (Orpheus-Kursiv)
  23. Palatino
  24. Palatino-Kursiv
  25. Poliphilus
  26. Blado (Poliphilus-Kursiv)
  27. Perpetua und
    Perpetua halbfett
  28. Perpetua-Kursiv
  29. Spectrum
  30. Spectrum-Kursiv
  31. Trump-Mediäval und
    Trump-Mediäval fett
  32. Trump-Mediäval-Kursiv
  33. Van Dijck
  34. Van-Dijck-Kursiv
  35. Weiß-Antiqua
  36. Weiß-Kursiv
  37. Baskerville
  38. Baskerville-Kursiv
  39. Bell-Antiqua
  40. Bell-Kursiv
  41. Bulmer
  42. Bulmer-Kursiv
  43. Fournier
  44. Fournier-Kursiv
  45. Times-Antiqua
  46. Times-Kursiv
  47. Bodoni-Antiqua und
    Bodoni-Antiqua halbfett
  48. Bodoni-Kursiv und
    Bodoni-Kursiv halbfett
  49. Falstaff
  50. Falstaff-Kursiv
  51. Schneidler-Antiqua
  52. Walbaum-Antiqua
  53. Walbaum-Kursiv